Geschäftsbericht | 2015 Navigation öffnen

Verkehr

Baustopp Godorfer Hafen

Godorfer Hafen: Zahlen unterstreichen Ausbaubedarf

Der Ausbau des Godorfer Hafens würde mehr Güter auf den Rhein bringen und Lastkraftwagen von den überfüllten Straßen holen. Die Aufhebung der Ausbaugenehmigung durch das Bundesverwaltungsgericht im Februar war deshalb ein Rückschlag für die Verkehrsentwicklung in Stadt und Region Köln. Der Rhein als Wasserstraße hat noch ein großes Potenzial für den Gütertransport, das in Zeiten eines überlasteten Straßennetzes dringend genutzt werden sollte. 

So wuchs der Containerumschlag in den Rheinhäfen Köln, Neuss und Düsseldorf im Jahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 6,3 Prozent auf 1,3 Millionen Standardboxen (TEU). „Diese Entwicklung wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen“, sagt Dr. Ulrich S. Soénius, stellv. Hauptgeschäftsführer und Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik. Damit von und nach Köln auch in Zukunft mehr Güter auf dem Wasser transportiert werden können, drängt die IHK Köln darauf, den Planungsprozess rund um den Ausbau des Godorfer Hafens zu beschleunigen.

Verkehrssituation: Köln im Stau-Ranking

Die Region aus der Staufalle befreien

Der Zustand der Verkehrsinfrastruktur im Rheinland ist weiterhin stark verbesserungswürdig und für viele Unternehmen und ihre Mitarbeiter im IHK-Bezirk Köln eine große Belastung. Besonders eine Statistik hat im vergangenen Jahr die schlechte Verkehrssituation in und um Köln belegt: Nirgendwo sonst in Deutschland stehen Autofahrer so lange im Stau wie im Ballungsraum Köln – durchschnittlich 65 Stunden im Jahr. Das kostest Nerven – und die Wirtschaft viel Geld: Lieferungen kommen zu spät, die Transportkosten steigen, Fahrzeuge stehen länger nicht zur Verfügung – und die Mitarbeiter sind ausgelaugt von der zeitraubenden An- und Abfahrt. 

Die Verkehrsinfrastruktur einer Region ist ein entscheidender Faktor für ihre Wirtschaftskraft. Angesichts der verkehrspolitischen Versäumnisse vergangener Tage ist es wichtig, dass Politik und Verwaltung alle Möglichkeiten nutzen, um möglichst schon heute spürbare Entlastungen für die Unternehmen in der Region zu erreichen. Im Mai begrüßte der Verkehrsausschuss der IHK Köln grundsätzlich die dringend notwendigen Investitionen in die Infrastruktur und damit verbundenen Baustellen. Er fordert in einer Resolution, Ausbesserungsarbeiten durch ein intelligentes Baustellenmanagement und präzise Ausschreibungen, die einen Baustellenbetrieb rund um die Uhr ermöglichen, zu beschleunigen und so die Behinderungen des Verkehrs auf das geringstmögliche Maß zu reduzieren. Die IHK hat in diesem Zusammenhang die Informationspolitik des Landesverkehrsministerium über den Neubau der Leverkusener Autobahnbrücke als einen wichtigen Schritt begrüßt, dem gleichwohl noch weitere folgen müssen, damit der Verkehr in und um Köln wieder fließt. 

Insgesamt wird für den Güterverkehr in der Region im kommenden Jahrzehnt ein weiteres Wachstum prognostiziert. Unter anderem im Verkehrsleitbild Rheinland haben die rheinländischen Industrie- und Handelskammern daher 2014 skizziert, wie die Kapazitäten für den Güterverkehr im Rheinland vergrößert werden können – mit einem Mix aus Erhalt, Neubau und geschickter Steuerung.

Einen unrühmlichen Titel gab es 2015 für Köln: Stau-Stadt. Durchschnittlich 65 Stunden jährlich stehen Autofahrer hier im Stau. Nicht nur Köln, sondern die gesamte Region muss auch der Staufalle befreit werden Denn die Verkehrsinfrastruktur einer Region ist ein entscheidender Faktor für ihre Wirtschaftskraft. Die IHK Köln macht sich stark für eine differenzierte Verkehrspolitik, die alle Verkehrsträger zu Land, zu Wasser und in der Luft im Auge hält, um auf notwendigen Ausbau, Vernetzung und Effizienzsteigerungen zu setzen.

Effiziente und stadtverträgliche Lkw-Navigation

Schneller ins Ziel mit effizienter Lkw-Navigation

Neubauten und Ausbesserungen im Straßennetz brauchen Zeit und kosten Geld; Baustellen sind in der Regel notwendig, verringern aber erst einmal die Kapazität eines Verkehrswegs. Digitale Technologien der intelligenten Verkehrssteuerung dagegen haben das Potenzial – ohne hohe Kosten –, die Effizienz der bestehenden Infrastruktur zu steigern. Zum Beispiel das Projekt „Effiziente und stadtverträgliche Lkw-Navigation – Metropolregion Rheinland“, das die sieben Rheinland-IHKs im April 2015 gestartet haben, gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Rhein-Sieg und dem Mobilitätsportal „mobil-im-rheinland“: In Zusammenarbeit mit den Kommunen werden dabei die besten Routen für Lkws identifiziert und Hindernisse wie Gewichtsbegrenzungen oder Durchfahrtsverbote erfasst, sodass Unternehmen mithilfe des Kartenmaterials ihren Schwerlastverkehr auf dem besten Weg ins Ziel lotsen können.

Taxentarife

Taxis: Visitenkarte der Stadt

Taxis sind ein wichtiges Bindeglied zwischen den einzelnen Verkehrsträgern und stellen sicher, dass Bewohner und Besucher auch ohne eigenes Auto in Köln jeden Ort zu jeder Zeit schnell und sicher erreichen können. Sie sind Bestandteil des öffentlichen Personennahverkehrs. Der Branche kommt dabei eine hohe Verantwortung zu: „Die Taxis sind eine Visitenkarte für die Stadt Köln“, sagt Dr. Ulrich S. Soénius, stellv. Hauptgeschäftsführer und Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik. Die Einführung des Mindestlohns und neue digitale Technologien stellen die Taxi-Unternehmen dabei vor Herausforderungen. Die IHK setzt sich für sie ein und vermittelt zwischen Politik, Verwaltung und Taxi-Genossenschaften – so zum Beispiel im März auf dem Taxi-Unternehmer-Tag, als unter anderem die Erhöhung des Taxitarifs diskutiert wurde. Wichtig für die Taxi-Unternehmen in Köln ist auch, dass der Verkehr fließt – und nicht steht: Denn wer mehr fährt, nimmt auch mehr ein.

Stadtmobilität

Lageanalyse zeigt Lösungen auf

„Eines ist klar: Mobilität in Köln ist vorrangig Wirtschaftsmobilität. Ob Pendler, ob der Weg zum Arbeitsplatz oder ob es sich um Warenverkehr handelt – in Köln bewegen sich vor allem Wirtschaftsverkehre“, sagt Dr. Ulrich S. Soénius, stellv. Hauptgeschäftsführer und Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik. In Kooperation mit der Technischen Hochschule Köln und im Kontakt mit den Unternehmen nahm die Industrie- und Handelskammer im vergangenen Jahr die Situation aller Verkehrsträger ins Auge und warf mit der Studie „Stadtmobilität aus Sicht der Wirtschaft am Beispiel Köln“ einen ganzheitlichen Blick auf die Verkehrslage in der Region. Das über 200 Seiten umfassende Analysewerk hielt Stärken und Schwächen der einzelnen Verkehrsträger fest, stellte verschiedene Verbesserungsmöglichkeiten vor und präsentierte Vorbild-Beispiele aus europäischen Metropolen.

Die Ergebnisse der Umfrage zur Stadtmobilität unter den Unternehmen zeichneten im November ein differenziertes Bild der Lage in der Region: Mit dem Leistungsvermögen von Flughafen, Rheinhäfen und des Schienennetzes sind die Unternehmen grundsätzlich zufrieden, wünschen sich aber insbesondere bei den Häfen noch größere Kapazitäten. Anders auf der Straße: Hier bereiten verschiedene Mängel und Friktionen den Unternehmen Probleme, und bei diesem Verkehrsträger setzt auch das Gros der in der Studie skizzierten Lösungen und Verbesserungen an.