Geschäftsbericht | 2015 Navigation öffnen

Realsteuer-Hebesätze

Die Grundsteuer, die in Deutschland als Steuer auf das Eigentum an Grundstücken und deren Bebauung erhoben wird, ist für die Standortwahl eines Unternehmens von großer Bedeutung. Denn auf den von der Finanzbehörde festgestellten Einheitswert kann jede Gemeinde ihren individuell festgelegten Hebesatz anwenden. Die Gemeinden haben damit nicht nur mit ihrer Hebesatzpolitik bei der Gewerbesteuer, sondern ebenfalls bei der Grundsteuer einen großen Einfluss auf ihre Standortattraktivität.

2015 sah sich die Wirtschaft in vielen Regionen mit massiven Hebesatzerhöhungen konfrontiert, die Schere zwischen günstigen und teureren Wirtschaftsstandorten öffnete sich weiter. Im Bezirk der IHK Köln gehörte Erftstadt mit einer Steigerung des Gewerbesteuer-Hebesatzes um 65 Prozentpunkte dabei zu den traurigen Spitzenreitern.

Auch bei der für die Unternehmen relevanten Grundsteuer B haben die Gemeinden bei den Hebesätzen 2015 stark zugelangt. Der durchschnittliche gewogene Hebesatz stieg bundesweit um 18 Prozentpunkte auf 12 Prozent – eine noch nie dagewesene Steigerung. Den größten Anstieg im Landesdurchschnitt verzeichnete Nordrhein-Westfalen (+ 44 Prozentpunkte), auch hier war leider eine Gemeinde aus dem Bezirk der IHK Köln ganz vorne mit dabei: Overath mit einer Steigerung von 370 auf 850 Prozentpunkte. Im Grundsteuer B-Segment kann Overath jetzt locker mit Berlin konkurrieren, das jahrelang mit 810 Prozent bei der Grundsteuer B unangefochten an der Spitze lag.

Ziel der IHK Köln im Hinblick auf die Hebesatzpolitik der Gemeinden ist es, immer wieder klar zu machen, dass der Gedanke „Höhere Hebesätze bringen mehr Steuern“ ein Trugschluss ist. Das Gegenteil ist der Fall: Steigen die Steuersätze, so denken Unternehmen vermehrt über einen Umzug in günstigere Regionen nach. Hohe Hebesätze gefährden damit nachhaltig das kommunale Steueraufkommen.